Die Arminia von 1874

Der zeitliche Rahmen: der Badische Kulturkampf

Anstoß der Gründung unserer Arminia von 1874 war der badische Kulturkampf, welcher dem bekannteren, preußischen unter Bismarck ähnelte. Das sog. „Sperrgesetz“, u.a. verlangte, dass die Priester nur dann amtieren durften, wenn sie ein besonderes staatliches Examen abgelegt hatten, das u.a. Sprachen, Philosophie, Geschichte und Staatskirchenrecht umfassen sollte.
Der Konflikt zwischen Staat und Kirche wurde noch weiter verschärft, indem v. Kübel, der in dem Gesetz eine ungerechtfertigte Einmischung des Staates und den Versuch einer staatlichen Beeinflussung des Klerus sah, seinen Theologen die Ablegung des Examens verbot. Dieses Verbot wurde von allen befolgt. So wurden von 1874-1879 zwar sechs Jahrgänge von Priestern geweiht, ihr Amt durften sie jedoch nicht ausüben, jedenfalls nicht in Baden. Die von dem Sperrgesetz Betroffenen wurden „Sperrlinge“ genannt.

Die Gründung unserer Arminia von 1874

Im Kampf zwischen Kirche und Staat wurden per Gesetz zum Ablauf des Sommersemesters 1874 die Konvikte geschlossen, in denen die katholischen Theologiestudenten bis dato gewohnt und gelebt hatten. Dieses Schicksal traf auch das Erzbischöfliche Convict in Freiburg, so dass die Theologen über die ganze Stadt zerstreut wurden und sich Privatwohnungen suchen mussten.

Aus dem Correspondenz-Blatt vom 01. Juni 1880: „So blieb von jetzt an jeder Einzelne sich selbst überlassen; auf sich allein angewiesen war er den manchfachen Gefahren des akademischen Lebens ausgesetzt. Es lag nun im Interesse der Theologie-Studierenden, diesen Gefahren gemeinsam zu begegnen und vorzubeugen, ohne sich auf der andern Seite die academischen Vergnügungen verkümmern zu lassen. Dieser doppelte Zweck, zu dem sich als dritter und Hauptzweck: Förderung und Pflege der Wissenschaft gesellte, ließ sich nach den gegebenen Verhältnissen nur in der Gründung eines Vereins verwirklichen. […]

In der That waren auch die meisten Theologen von der Wichtigkeit und Nützlichkeit eines Vereins überzeugt. Gleich bei Beginn des neuen Semesters beraumte der erste und zweite Curs – der dritte Curs nahm keinen Anteil – eine Versammlung zu einer diesbezüglichen Besprechung in der Bierbrauerei Schmidt an. […] Noch am nämlichen Tag wurde ein zeitweiliger Vorstand behufs Gründung eines Vereins gewählt, bestehend aus den 4 Mitgliedern: Karl Fuchs, Franz Baumann, Joseph Gießler und Joseph Winkler.“

Zu erwähnen ist an dieser Stelle, daß von den insgesamt 199 Mitgliedern, die die „alte“ Arminia von 1874 hatte, mindestens 21 von dem Sperrgesetz unmittelbar und persönlich betroffen waren. Von den zehn Gründern waren neun „Sperrlinge.“

Weiter aus dem Correspondenz-Blatt: „Zunächst handelte es sich um Feststellung der Statuten. Eine schwierige Aufgabe fürwahr! Doch schritt dieselbe nach Kenntnisnahme der Statuten anderer Vereine (Palatia), wenn auch bei einzelnen Paragraphen heftig debattiert wurde, rüstig vorwärts, so daß die Statuten des neuen theologischen Vereines bereits 18. Dezember 1874 dem hohen academischen Senate zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden konnten. Bei der Wahl der Benennung des Vereines gab dem Namen „Arminia“ den Ausschlag besonders die Hinweisung auf den siegreichen Cheruskerfürst Arminius, ferner auf Hermann v. Mallinckrodt, den kurz zuvor verstorbenen Vorkämpfer für „Wahrheit, Freiheit und Recht“ der deutschen Katholiken, und endlich auf den hochseligen Herrn Erzbischof Hermann v. Vicari, den der Verein zu seinem Patron erkor. […]

Auf den Wunsch unserer kirchlichen Behörden stand man von dem ursprünglichen Vorhaben, farbige Bänder zu tragen, ab und bestimmte als üußeres Abzeichen eine grün-gold-violette Schleife. […]“

Aufgrund der Wiedereröffnung des Konvikts im Jahre 1883 gerät der „Theologische Verein Arminia“ in eine Existenzkrise, da die Arminia lediglich als Antwort auf die Schließung des Konvikts gegründet wurde. 1886 wird gegenüber dem Senat dann die einstweilige Suspendierung der Verbindung erklärt.

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